Kinderleicht durch die erste juristische Prüfung

Es gibt viele Beiträge über die Vereinbarkeit von Familie und Karriere. Doch gibt es wenig praktische Tipps zur Vereinbarkeit von Jura und Kindern aus der Sicht eines Mannes. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie diese nicht in „elektiver Konkurrenz“ stehen müssen und gebe dir einige praktische Tipps mit auf den Weg.

I. Grundvoraussetzungen für Kinder

Fundamental ist eine Partnerschaft mit der bewussten Entscheidung für Kinder. Dabei ist gegenseitiges Vertrauen untereinander essenziell. Als Elternteil trifft dich eine lebenslange Verbindung zu deinen Kindern, unabhängig vom Bestehen der eigenen Partnerschaft.

Dazu gehört eine funktionierende Art der Konfliktbewältigung. Hormone, körperliche Beschwerden, Schlafmangel und mehr Zeit in der Wohnung (um sich die Haushaltsführung genauer anzuschauen) bergen so manches Potenzial für Konfrontationen. Daher bedarf es eines Ruhepols, der verzeiht und unterstützt (und nicht nur jammert). Haushaltsführung/Care-Arbeit bzw. eine gepflegte Lernumgebung stehen in Korrelation mit einer gelingenden Beziehung und Stressabbau.

II. Vorbereitung auf die Geburt

Ein Kind bedeutet einen spürbaren finanziellen Einschnitt. Sozialleistungen versuchen das zu kompensieren, gleich ob BAföG, Wohngeld (kombinierbar mit dem Kinderzuschlag), Leistungen aus dem Bildung & Teilhabepaket oder ersparte Aufwendungen bei KiTa-Gebühren. Leider dauert die Bearbeitung von Anträgen mitunter recht lange, so dass eine frühe Antragsstellung unerlässlich erscheint (wie auch die Suche nach einer Hebamme). Natürlich ist es auch eine gute Gelegenheit regelmäßige Ausgaben zu optimieren. Die meisten Möglichkeiten des Sparens gehen häufig mit Nachhaltigkeitsgedanken einher: Gebrauchte Sachen von Freunden und Verwandten, von Flohmärkten und hast du schon mal von Stoffwindeln gehört? Jedenfalls für die ersten zwei Jahre kann man sich ein separates Kinderzimmer noch sparen, da sich das Kind ohnehin nicht dort aufhält.

Steuererklärungen sind eine weitere Möglichkeit Geld zu sparen. Vergiss also nicht die Rechnungen aufgrund der Schwangerschaft aufzuheben. An dieser Stelle möchte ich für die standesamtliche Heirat während des Studiums Werbung machen. Wenn man Jura studiert, dürfte die Heirat ein Highlight der Beziehung darstellen, bedeutet sie doch die Verrechtlichung der Beziehung mit ihren grundgesetzlich garantierten Vorteilen. Zugewinngemeinschaft, Steuerklassen, Revokationsrecht und Berliner Testamente sind auf einmal nicht bloß graue Theorie. Die Kosten für eine standesamtliche Hochzeit und die Organisation halten sich im Rahmen und amortisieren sich vermutlich bereits mit der zweiten gemeinsamen Steuererklärung. Außerdem gibt es eine tolle Torte!

III. Studieren mit Kind

Alle Vorbereitungen sind abgeschlossen, im Kinderzimmer wurde sich kreativ ausgelebt und das Kind ist da, hurra! 😉

Du solltest deine Lernmethoden für dich spätestens jetzt gefunden haben, z.B. durch einen Kurs von Studystunner. Für mich war es hilfreich Karteikarten digitalisiert zu haben und bei Spaziergängen mit dem Baby (auditiv) abrufen zu können. Aber auch Podcasts lassen sich hervorragend hören, während man das Kind in den Schlaf begleitet. Wichtig ist natürlich das nur als Ergänzung zum Training mit Gesetzesanbindung zu betrachten.

Jetzt sind Kommunikation und Koordination wichtiger als ohnehin schon. Triff klare Absprachen, wann du lernst. So kann man sich mental darauf einstellen und auf den Feierabend mit/ohne Kind freuen.

Falls du Familie und enge Freunde hast, die Kapazitäten für Kinderbetreuung haben, hervorragend.

Schreib Ihnen detaillierte Anleitungen und gewöhne das Kind zuvor an deren Präsenz. KiTa-Plätze sind heiß begehrt, also lass dich am besten kurz nach Geburt auf die Warteliste setzen.

Kinderbetreuungen werden häufig auch von Universitäten und Fitnessstudios angeboten.

Mich hat es noch einmal enorm beflügelt zu wissen, dass jemand anders in just dem Moment auf mein Kind aufpasst, damit ich in dem Moment effektiv lernen kann.

IV. Argumente für und gegen ein Kind während des Studiums

Ich will nicht leugnen, dass es erhöhter Selbstdisziplin bedarf, mit einem Kind zu studieren. Es wird ungleich schwerer in den Nächten dem unvergleichlichen Studentendasein zu frönen. Schlafmangel kann eine unerwünschte Nebenfolge sein, der sich auch nicht durch noch so viel Kaffee und Home-Office ausgleichen lässt. Aber im Berufsleben wird es auch nicht besser werden und so jung wird man nie mehr sein.

Zudem braucht es sowieso für das Jurastudium ein gewisses Maß an Selbstdisziplin. Ein Kind hat für mich den Ausgleich geschaffen, den ich als Student gebraucht habe:

Struktur ist in meinen Studentenalltag eingezogen, Prokrastination war Schnee von gestern, schließlich hatte ich ein konkretes Ziel, für das ich gearbeitet habe. Durch mehr frische Luft, Sonnenschein, Bewegung und Babybreireste habe ich insgesamt gesünder angefangen zu leben. Nervige Fragen von Verwandten zum Studium sind dem Interesse an meinem Kind gewichen und man arbeitet mehr an sich selbst, um ein besseres Vorbild für das Kind zu sein. Wann immer man nach Hause kommt, begegnet einem das junge Leben und zaubert einem vor lauter Glückshormonen ein Lächeln ins Gesicht. Während meines Studiums war ich nie so glücklich wie in der Examensvorbereitung.

Für den Lebenslauf bedeutet ein Kind einen riesigen Pluspunkt, denn es legt die Vermutung von Flexibilität und guter Selbstorganisation nahe. Es steht für die Bereitschaft Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, Kerneigenschaften von Führungskompetenz.

Ich habe mich früher gefragt, wann der richtige Zeitpunkt für ein Kind in meinem Leben ist. Die Antwort lautet immer in den Gedanken „später, nach meinem Studium, später nach dem Referendariat, später nach dem zweiten Staatsexamen, später nach Fußfassen im Beruf…“. Aber dann ist der Zug irgendwann biologisch abgefahren.

Es gibt immer Gründe, warum der Zeitpunkt nicht perfekt ist. Aus der Retrospektive kann ich nur sagen, für mich war der perfekte Zeitpunkt nach meinem Schwerpunkt während der Examensvorbereitung.

Wie sich das Referendariat (in Teilzeit) gestaltet, wird sich für mich noch zeigen müssen.

V. Fazit

Ein Kind neben dem Studium ist eine realistische Option. Allerdings wäre es meiner Ansicht nach  erst ratsam, nachdem man das Studentenleben ausreichend ausgelebt und die notwendigen Weichen im Studium bereits gestellt hat. Selbstdisziplin für Lernzeitfenster und Kommunikation in der Partnerschaft sind dabei essenziell.

 

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Dein Autor

Linus Petersen

Linus Petersen hat Rechtswissenschaft an der Universität Bonn studiert.

Er ist Vater zweier Kinder und wartet aktuell auf den Referendariatsplatz in NRW.

Sein fachliches Interesse gilt vor allem dem KI- und Verwaltungsrecht. Mit seinem Studium verfolgt er das Ziel, Mehrwerte für die Gesellschaft zu generieren.

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